Meine Zusammenfassung der Löschdiskussion um den MOGiS Artikel
November 4, 2009
Eines vorneweg: einige der Links, die ich hier veröffentliche werden mit der endgültigen Löschung des MOGiS Artikels aus dem Benutzernamensraum am 6. November nicht mehr verfügbar sein. (soviel schon mal zur Transparenz von Entscheidungen in der deutschen Wikipedia) [Zusatz: der Artikel wurde zu Dokumentationszwecken in eine separate Mediawiki-Installation eingespielt]
Ein zweites vorneweg, ich habe das schon in dem Artikel hier geschrieben, möchte es aber nochmals wiederholen:
“Ich denke eines der aktuellen Probleme der Wikipedia ist die Spannung zwischen den Zielen die die Wikipedia-Elite hat und dem was der gemeine Netzbürger von der Wikipedia erwartet.”
Die Wikipedia ist am Ende genau so relevant, wie sie nützlich ist.
Eine der Fragen, die wiederholt an mich gestellt wurden, war, warum ich den Artikel zu MOGiS in der Wikipedia angelegt habe. Dies habe ich unter anderem deswegen getan, weil in der Wikipedia verschiedentlich auf den noch nicht existierenden Artikel zu MOGiS verwiesen wurde, zum Bespiel im Artikel “Sperrungen von Internetinhalten in Deutschland“.
Mir wurde dann unter anderem empfohlen den Artikel selber anzulegen, andere würden den dann schon ausbauen.
Für das Anlegen des Artikels habe ich dann auch ganz offen den Mogis-Wikipedia-Account und keine Sockenpuppe benutzt, wie man das sonst vielleicht tun würde, wenn ein Interessenkonflikt besteht und man diesen verschleiern wollte.
Der von mir angelegte Artikel war auch wirklich sehr schlecht. Der Artikel bekam dann auch einen Hinweis zur Qualitätssicherung woraufhin er relativ schnell auf Wikipedia-Format gebracht wurde.
Vom ursprünglich von mir verfassten Artikel war also nach weniger als 30 Minuten schon nichts mehr übrig.
Ein Vorwurf einiger Wikipedianer in der Löschdiskussion war die gefühlte Irrelevanz von MOGiS. Dem möchte ich entgegnen, dass Relevanz sowieso ein Zielgruppenphänomen ist, eine gesamtgesellschaftliche Relevanz also eventuell ein viel zu hartes Kriterium für eine Online-Enzyklopädie sein dürfte.
Es sind aber wenigstens drei weitere Dinge, die mich wurmen.
Das erste ist, dass Wikipedia ihre eigenen Relevanzkriterien nicht ernst nimmt:
Als relevant gelten Vereine, Verbände und Bürgerinitiativen
* die eine überregionale Bedeutung haben oder
* die besondere mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen oder
* die eine besondere Tradition haben oder
* die eine signifikante Mitgliederzahl aufweisen.
Davon erfüllen wir mit dem Verein MOGiS (inzwischen ein e.V.) wenigstens zwei Kriterien.
Dass andererseits Relevanz durch Mitgliederzahl kein Kriterium sein kann, war eigentlich schon relativ früh in der Diskussion klar, weswegen der Versuch uns zur Herausgabe der Mitgliedszahlen zu bewegen nicht wirklich überzeugte.
Was mich aber an der Löschdiskussion gestört hat, war, wie versucht wurde unseren Ruf zu beschädigen.
So wurde unsereren Mitgliedern nachgeforscht und Zweifel an deren Motivation bei MOGiS mitzuarbeiten in der Löschdiskussion thematisiert.
“…. ist die Anzahl der Mitglieder, die dermaßen selbst betroffen sind geradezu konstituierend für die Relevanz eines Vereins“
Es wird hier also ein anderer Begriff von Relevanz verwendet, als der, der für die Aufnahme in die Wikipedia spricht.
Ich finde auch gerade an dieser Äußerung zeigt sich doch sehr deutlich, dass es hier nicht um einen Artikel über MOGiS in der Wikipedia, sondern um eine Fortsetzung der Löschdiskussion ging.
Danach wurde dann vom selben Nutzer durch Verschiebung des Artikels nach “Christian Bahls” versucht die Relevanzdiskussion um MOGiS auf die Diskussion um die Relevanz meiner Person zu verschieben.
Als rufschädigend fand ich den Versuch MOGiS durch die Behauptung zu diskreditieren, dass es MOGiS als Verein gar nicht gäbe. -> Dass wir bei diesem brisanten Thema möglichst versucht sind die Identität der Mitglieder zu schützen schienen einige nicht zu verstehen.
Denn mal ehrlich, wozu führt ein öffentliches Outing als Missbrauchsopfer?
“Christian Bahls ist missbraucht worden …“
Welche Folgen dass für meine nächste Jobsuche hat, weiss ich jetzt noch nicht ..
Insgesamt bin ich mir nicht so sicher, ob es die Relevanzkriterien oder eher die Intransparenz von Entscheidungswegen sind, die hier das größere Problem darstellen.
Ingesamt wirkt die Anwendung der Relevanzkriterien zur Löschung von Artikeln teilweise willkürlich.
Dies auch durch die Anonymität der entscheidenden Admins. Zu diesem Zustand trägt die Wikipedia auch bei, indem sie Mitgliedern vorschlägt wenig bis keine persönlichen Informationen in Ihren Benutzerprofilen vorzuhalten.
Nutzer-Seiten, die darauf hinweisen, wer der Accountinhaber ist werden teilweise rabiat gelöscht, so wie es mir auch mit dem Mogis-Account passiert ist.
Die Wikipedia hat ja nicht mal den Anspruch demokratisch zu sein, dies wird auch offen kommuniziert, die Löschentscheidungen sind keine Mehrheitsentscheidungen, in der Löschdiskussion zu Fefes Blog:
“Das hat nichts mit Demokratie zu tun – und Wikipedia ist keine Demokratie. –Matthiasb 03:26, 23. Okt. 2009″
Relevanz liegt am Ende immer im Auge des entscheidenden Admins, wer auch immer das gerade ist, welche Interessen dieser auch immer gerade vertritt.
Die Relevanz über die Popularität zu messen ist meines Erachtens auch keine gute Idee, denn mal ehrlich: Wer würde in einer Bibliothek Seiten aus einem Lexikon herausreissen, weil sie nicht oder selten gelesen werden?
Ein Punkt wäre doch schon mal, dass man wegen Irrelevanz/OriginalResearch/Theoriefindung gelöschte Artikel und die dazu gehörige Diskussion auch weiterhin abrufen könnte:
“Dieser Artikel wurde wegen … gelöscht, wenn Sie ihn trotzdem sehen wollen, dann klicken sie bitte [hier]“
Das würde doch erst mal ein Mindestmaß an Transparenz wiederherstellen. Mit der Artikellöschung werden ja auch immer die Diskussionsseiten zum Artikel mitgelöscht. Dann könnte man sich wenigstens noch selber ein Urteil bilden, ob der Artikel wirklich so irrelevant war.
Zumal die Wikipedia nicht wirklich ein Platzproblem hat. Denn: Die gelöschte Artikel bleiben mit der kompletten Verlaufsgeschichte in der Datenbank.
Sie sind dann aber eben nur noch für Admins einsehbar.
Gelöschte Artikel verbrauchen also nicht mal weniger Platz in der Datenbank.
Es ist schon ok, wenn es in der Wikipedia Artikel wie Bauchnabelfussel gibt. Ich finde zum Beispiel in der englischen Wikipedia die Artikel zu der von Terry Prattchet beschriebenen Scheibenwelt phantastisch. :)
Mir tut es im Momen ehrlich gesagt ein bischen Leid um den Elan und die Lebenszeit, die mit der entgültigen Löschung des Artikels aus dem Benutzernamensraum am 6 November weggeworfen wird.
Der Artikel wurde immerhin über 150-mal bearbeitet/verbessert.
Ein Nutzer hat nach eigenen Angaben mehr als 10 Stunden mit der Verbesserung des Artikels und die Diskussion drumherum investiert.
Auch gerade die Löschdiskussionen um den MOGiS Artikel, sowie die Artikel zum AK Zensur und das Fefe Blog haben meines Erachtens sehr deutlich gezeigt, wie interessegeleitet inzwischen Entscheidungen in der Wikipedia gefällt werden.
Schließlich wurde am Ende nicht nur der MOGiS Artikel gelöscht, sondern fast alle Erwähnungen (und damit Verlinkungen) in anderen Artikeln entfernt.
Das ging soweit, dass im Artikel um die Kontroverse zum Zugangserschwerungsgesetz die Erwähnung einer Demonstration (der Sperrwache vom 17.4. bei der Vertragsunterzeichnung) entfernt wurde, weil auch MOGiS dazu aufgerufen hatte.
Ich denke die Wikipedia in Deutschland sollte sich ernsthaft Sorgen um ihr Ökosystem machen. Vielleicht schreckt sie immer mehr produktive Leute ab, während administrativ orientierten Personen oder Personen mit spezifischen Interessen im Projekt verbleiben.
Christian Bahls
Der Versuch eines Nachrufs
Mai 5, 2009
A. ist tot ..
Sie verstarb nach kurzer schwerer Krankheit am 14. Oktober 2005 in N. .. Sie hinterlässt Ihre Eltern, Ihre Grosseltern, Ihre Geschwister, Ihre Nichte, Ihre Mitbewohner und Freunde und einen Partner (mich, Ihren Liebhaber).
Für die, die sie kannten war sie wie eine Perle im Ozean.
Durch ihr warmes freundliches Gemüth mit ihrer überwiegend ausgeglichenen, verständnisvollen, ehrlichen und direkten Art
Besonders tragisch ist der Umstand, dass es Ihr nicht gegeben war zur vollen Blüte zu gelangen ..
Wer kann erahnen, wieviele ungeschriebene Liebes-Briefe, Gedichte, Bücher .. ungemalte Zeichnungen mit Ihr zu Grabe getragen wurden
Liebe A. ..
Es war schön mit Dir einen Teil Deines Lebens verbracht haben zu dürfen .. Es tut mir leid um die Zeit die wir nicht miteinander verbracht haben .. Es war mir nicht anders moeglich .. Entschuldige, wenn ich Dich zu sehr getriezt habe .. ich habe versucht das beste zu tun ..
Ich kann Dich noch nicht richtig loslassen .. .. vielleicht kannst DU mich ja loslassen? obwohl ich das nicht will .. Ich versuche einen Teil von Dir in mir am Leben zu erhalten .. sodass du unvergessen bleibst (auch wenn das eigentlich kein problem sein sollte) .. Ich würde so gerne Deine Bücher schreiben ..
So viele melodien sind schon verloren gegangen .. Ich hätte so gerne den kompletten Satz an Liebesgeschichten die Du mir geschrieben hast .. .. besonders die mit dem happy end .. .. ich habe es wohl irgendwie verloren ..
Du warst so ein schatz
kuss .. leb wohl .. ich liebe dich